Chronik

Ein Vierteljahrhundert geht schnell vorbei …
… doch was bedeutet es für den Kinderschutzbund Bamberg? In Stichworten sind dies:

  • ehrenamtliches und professionelles Engagement,
  • Zeiten mit und ohne Geschäftsführung,
  • vier verschiedene Standorte der Geschäftsstelle,
  • Kontinuität, etwa bei der ewigen Suche nach Geldern, um die ehren- und hauptamtliche Arbeit abzusichern, und Wandel, insbesondere bei den Angeboten aber auch den Schwerpunkten der Arbeit des Kinderschutzbundes sowie bei den Personen, die dem Verband das Gesicht geben,
  • Phasen des Aufbruchs sowie starker öffentlicher Präsenz, aber auch Phasen der Verzagtheit und dem vorrangigen Bemühen, den „Laden“ zusammenzuhalten und ihm eine Zukunft zu geben.

Themen und Projekte sind auf den Kinderschutzbund (KSB) in den zweieinhalb Jahrzehnten oftmals wie von selbst zugeflogen, manchmal bedurfte es aber auch der beherzten Initiative Einzelner, um etwas anzustoßen. Beispielhaft sollen zwei Angebote genannt werden, die die Breite des KSB Bambergs in gewisser Weise gut repräsentieren und selbst heuer kleinere Jubiläen feiern. Seit zehn Jahren existiert in Bamberg ein Standort des Elterntelefons im Rahmen der Dachorganisation „Nummer gegen Kummer“. Barbara Kahle schob das Projekt seinerzeit federführend an, in dem bis heute ausschließlich intensiv geschulte Ehrenamtliche als kompetente Gesprächspartner Eltern bei allen Problemen rund um Kinder zur Verfügung stehen. Seit März 2009, also auch schon fünf Jahre, gibt es die „Theatermäuse“, unsere Kinderkrippe, in der die Kinder bis drei Jahre von einem engagierten Erzieherteam betreut werden. Mann der Tat war seinerzeit der damalige Vorsitzende Knud Weiß, der zusammen mit Ariane Pieritz die Kinderkrippe aus der Taufe hob.

In der Regel also von einem Vorsitzenden oder einer Vorsitzenden geleitet, gönnte sich der KSB auch mal einen Zeitraum, in dem es wie bei mancher Partei zwei gleichberechtigte Vorsitzende gab. Eng mit dem KSB verbunden sind zwei weitere Namen, die nun auf städtischer Ebene die Belange von Familien vorantreiben. Gisela Filkorn, langjährige Geschäftsführerin unseres Kreisverbandes, ist seit Jahren Familienbeauftragte der Stadt Bamberg. In dieser Funktion trifft sie häufig auf Dr. Franz Merdian, langjähriges KSB-Vorstandsmitglied, der nun den Vorsitz des Familienbeirats der Stadt innehat.

Themen kamen auf den KSB Bamberg zu, manche fanden nach einer Zeit auch andere Ansprechpartner oder aber sie verloren für die Engagierten an Bedeutung. Die Betreuung von Kindern, deren Familien Asyl beantragten, prägte unsere Kreisgruppe stark. Renate Braun und Rosemarie Sponsel sind Namen, die mit dieser Tätigkeit eng verbunden sind. Heute engagiert sich hier und darüber hinaus die Initiative „Freund statt fremd“. Auch die Verkehrspolitik mit dem Schwerpunkt der Sicherheit für Kinder besitzt derzeit nicht mehr den Stellenwert bei den Ehrenamtlichen, wie mindestens noch im ersten Jahrzehnt des Bestehens. War letztendlich doch der Straßenverkehr der äußere Anlass für die Gründung des Kinderschutzbundes in Bamberg, konkret Ute Alberts Empörung über Truppenbewegungen der US-Armee in Wildensorg. Auf der Suche nach Ansprechpartnern fand sie niemanden, auch nicht den Kinderschutzbund, den es in Bamberg eben noch nicht gab. Deshalb wandte sie sich an den KSB in Erlangen. Dort riet man ihr: Gründet selbst einen Verein in Bamberg, was dann auch in Rekordzeit geschah. Am 29. Dezember 1988 erschien im Lokalteil des Fränkischen Tags seinerzeit ein Artikel unter der Überschrift „Bamberg für den Kinderschutzbund noch ein Niemandsland“. Bereits am 25. Januar 1989 kam es zu einem ersten Treffen von knapp 50 Interessenten, dem zwei weitere Zusammenkünfte folgten, ehe am 22. Februar die Gründung des KSB Bamberg in der Aula der Pestalozzischule erfolgte.

Über Prof. Dr. Herbert Selg, Lehrstuhlinhaber für Entwicklungspsychologie sowie Dr. Franz Merdian, bestanden für den KSB schnell auch Kontakte zur Universität. Darüber hinaus fanden in all den Jahren immer wieder Studierende den Weg zum KSB, als Ehrenamtliche, teilweise auch als Vorstandsmitglieder. Sie brachten und bringen Schwung und neue Sichtweisen in die Reihen der Engagierten, zumeist Menschen „in den besten Jahren“ oder sogar schon im (Un-) Ruhestand begriffen.

Vorstandsmitglieder kamen und gingen in diesen 25 Jahren, manche blieben kurz, andere über lange Jahre wie etwa Silvia Daniel, Ariane Piertz, Theresa Weichert, Knud Weiß, Renate Braun, Mathilde Bauer und besonders Monika Schuster-Wolf, Mitglied der ersten Stunde in Bamberg, um einige zu nennen. Gisela Krauss fungierte als Gründungsvorsitzende über zwei Amtszeiten bis 1993. Unter ihrer Leitung leistete sich der KSB sein erstes Büro mit Telefon und eigener Adresse in der Fischstraße. Nur kurz verblieb man hier, kurz darauf boten sich größere Räumlichkeiten in der Frauenstraße an, bei einer Besitzerin mit großem Herz und ausgeprägtem sozialen Engagement. Obdachlose, Studierende und eben der KSB Bamberg fanden gemeinsam für sechs Jahre Unterschlupf in dem verwinkelten Haus mit den Stolpersteinen. Danach folgte der Umzug in das Domizil in der Oberen Königstraße, ehe es im Februar 2001 zu einem erneuten Standortwechsel in die Theatergassen kam. Das neue großzügige Platzangebot wurde mit einem großen Familienfest im Juni desselben Jahres offiziell eingeweiht. Unterrepräsentiert waren und sind stets die Männer in der Vorstandstätigkeit, aber auch darüber hinaus beim sonstigen ehrenamtlichen Engagement. Ebenso bemerkenswert in all den Jahren, dass der Kinderschutzbund anscheinend eher Zugezogene als in Bamberg Gebürtige anzog. Mit der jetzt amtierenden ersten Vorsitzenden Annerose Ackermann erscheint jedoch hier eine Veränderung möglich zu sein.

War der erste pädagogische Hauptamtliche noch im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme beschäftigt, folgte 1993 Martina Böhm-Brandt als erste Sozialpädagogin in Teilzeit. Sie vertrat später den KSB eine Zeitlang auch auf Landesebene im Vorstand ebenso wie Melanie Becker und Herbert Selg. Mit der Einstellung von Hauptamtlichen wandelte sich auch die Arbeit des Kreisvorstandes, der dann auch als Arbeitgeber zu fungieren hatte und immer in Verantwortung stand, die finanziellen Mittel für den „Betrieb“ des Kreisverbandes zu erwirtschaften. Gerichtszuweisungen sind und bleiben ein wichtiges Einnahmeinstrument für den KSB Bamberg. Entwickelten sich jedoch die Wohlfahrtsverbände zu Sozialkonzernen, blieb der Kinderschutzbund nicht nur in Bamberg im Kern ein Hort der Ehrenamtlichkeit, begleitet von wenigen Hauptamtlichen. Zu letztgenannten gehörte lange Jahre auch Ursula Lorber, die in Nach-Nach-Nachfolge von Gisela Filkorn bis zum letzten Jahr das Büro mit einer Akribie leitete, die Maßstäbe setzte. Seitdem setzt der KSB wieder (einmal) auf das Prinzip der Geschäftsführung, die seit September 2013 mit Kerstin Waldvogel eine wahre Power-Frau innehat.

Unzufriedenheit herrschte in der Gründungsphase mit der Spielplatzsituation in der Stadt Bamberg. Eine Spielplatz-AG beschäftigte sich mit den Spielangeboten, erstellte einen Bewertungsbogen für Spielplätze, forderte erfolgreich die Öffnung von Schulhöfen und suchte die Zusammenarbeit mit dem Gartenamt. Seither hat sich die Situation in Bamberg grundlegend geändert. Das Gartenamt in Kooperation mit dem Baumobil schuf eine Vielzahl mehr als ansprechender Spiel- und Bolzplätze, überwiegend unter tätiger Mithilfe von Kindern und deren Eltern. Der größte Erfolg des Bundesverbandes, die gesetzliche Verankerung der gewaltfreien Erziehung im BGB anno 2002, führte auch in Bamberg dazu, den Elternkurs „Starke Eltern – starke Kinder“ kontinuierlich anzubieten. Eltern soll der Kurs darin unterstützen, mehr Freude, Leichtigkeit und zugleich Souveränität in der Erziehung zu erreichen und zugleich sollen Wege aufgezeigt werden, Konflikte gewaltfrei zu lösen.

Nach einer Phase stetigen personellen Wechsels 2012 und 2013 hat der KSB Bamberg sich seit Herbst wieder einen breit aufgestellten Vorstand. Unterstützt von Geschäftsführung, Büro und pädagogischen Hauptamtlichen wagen wir uns wieder einmal in eine Phase des Aufbruchs, gepaart mit starker öffentlicher Präsenz. Neue Projekte werden geplant, neue Finanzierungsmittel erschlossen, allerdings nicht mit Übermut sondern mit Augenmaß und im Bewusstsein, dass es auch wieder andere, schwierigere Zeiten geben wird im nächsten Vierteljahrhundert.
Andreas Becker